Gebrauchtwagen - Kaufberatung

Text: KLAUS MORHAMMER
 
Fotos: GUTE FAHRT

Vorderwagen gibt es beim Käfer in kurz und lang. Die ersteren gehören zum 1200er, die langen zum 1302 und 1303. Sie haben ihren Ursprung im ausladenderen Rahmenkopf, den der Maxi-Käfer für seine neue Federbeinvorderachse benötigte. In Verbindung mit der bis dahin nur für die Automatik-Version und den US-Markt lieferbaren Schräglenkerhinterachse ergab sich ein modernes Fahrwerk, das den Käfer um Quantensprunge nach vorne brachte. Ganz nebenbei schuf der um genau 74 Millimeter verlängerte Vorderwagen mit der bulligen Haube aufgrund der Achskonstruktion ein deutlich gestiegenes Kofferraumvolumen. Das Ersatzrad war nun liegend unten am Kofferboden in einer Wanne untergebracht. Die für den 1302 konzipierte Motorengeneration mit 44 und 50 PS hatte den Ölkühler statt innerhalb des Gebläsekastens stehend davor montiert, womit endlich Schluß war mit den Hitzeproblemen des dritten Zylinders. Die Zylinderköpfe beider Motoren verfügten erstmals über Doppelkanal-Einlässe, wodurch das Käfer-Tuning erst so richtig in Schwung kam. Schon zwei Jahre später trat der 1303 die Nachfolge des 02 an. Seine gewölbte Windschutzscheibe ließ zum ersten Mal ein Raumgefühl im Käfer aufkommen. Ein weiterer technischer Fortschritt wurde dem 03 im Modelljahr 1974 zuteil, als er die dem Golf entsprechende Vorderachsversion erhielt. Besonders interessant daran: Hier lässt sich ohne weitere Umbauarbeiten die Bremsanlage aus dem 944er Porsche montieren. Das absolute Highlight in Sachen Käfer kam ganz zum Schluß: 1975 erhielt er auch noch eine Zahnstangenlenkung, wodurch der 1303 endgültig zum Super-Beetle avancierte. Ein viertel Jahrhundert später fällt die Mängelliste verständlicherweise lang aus, wobei die 02/03 er abgesehen von den für alle Käfer typischen Rost-Schwachstellen zusätzlich an den Federbeindomen und in und um die Reserveradwanne kranken. Auch ihr Rahmenkopf ist besonders gefährdet, hier auch an den Befestigungsklammern des Stabilisators.

Wegen des dazwischengesetzten Dichtprofils zersetzt sich die Verbindung von Bodenplatte und Karosserie. Korrosion zieht sich weiter Richtung Einstieg/Trittbrettschraubkante. In den Radhäusern sind hinten die Endspitzen, an denen die Stoßstange befestigt ist, angegriffen, ebenso der entsprechende Bereich im vorderen Radhaus. Meist halten der hintere Auslauf des vorderen Innenkotflügels sowie die vordere Ecke im hinteren Radaus schnitt keiner Druckprobe mehr stand. Dort setzt sich der Rostfraß begünstigt durch überlappende Blechteile bis nach innen in die Karosserieecke und den Heizkanal fort. Gelegentlich bricht derart geschwächt schon mal beim Aufbockversuch die Wagenheberaufnahme weg. Im hinteren Radhaus befindet sich eine separate Verschraubung mit dem Rahmen. Drum herum zerbröselt oft die Blechsubstanz.

Außen zeigen sich Blasen hinten unten vor dem Kotflügel, an den Schraubkanten aller vier Radabdeckungen und am freistehenden Falz der A-Säule. Auch um die Scheinwerfer herum blüht es gerne. Im Innenraum sind die Heizkanäle auf der ganzen Länge und das Bodenblech bei der Batterie auf der rechten Seite unter der Sitzbank eine Überprüfung wert. In punkto Mechanik sollten die beiden Kreuzgelenke der Lenksäule und das Lenkgetriebe gecheckt werden. Eine Inspektion der Wärmetauscher lohnt, da sie im Falle von Beschädigung Abgase in den Innenraum blasen. Der Vorteil des Käfers liegt in seiner relativ einfachen Technik - das gilt auch für die Motoren - seiner Wartungsfreundlichkeit und der Möglichkeit, im Fall einer Restaurierung Karosserie und Bodenplatte trennen zu können. An Teilen ist eigentlich alles besorgbar, vorwiegend, wenn auch nicht immer passgenau, aus Nachfertigungen des Zubehörhandels, teils bei Spezialfirmen und auf Teilemärkten. Manches gibt es sogar noch bei VW. Dort kostet der Rahmenkopf 665 Euro, ein Wärmetauscher 190. Vordere Kotflügel sind inzwischen aus dem Programm gekippt. Im Zubehör nimmt man für den Heizer 130 (Repro 70), für den Kotflügel 225 (Repro 85), für den Rahmenkopf 375. Überholte Lenkgetriebe kommen auf 190 Euro (Zahnstangenlenkung 410), Kreuzgelenkwellen auf 95. Richtig teuer wird es bei alten Originalteilen: Für ein vorderes Seitenteil werden schon mal 1350 Euro verlangt (das linke gibt es bereits als Repro für 565). Tuning hat beim Käfer Tradition und unzählige Facetten: Typ 4 Motoren, Porsche-Fünfgang­getriebe und -Bremsen. Empfehlenswert ist das geschlitzte Frontblech für einen externen Ölkühler. Seine optimale Fahrwerksauslegung prädestiniert den 1302/03 geradezu zum „Frisieren“. Und doch wird über kurz oder lang der Vorderwagen wegen seiner kurzen Bauzeit selten sein wie ein Brezelkäfer.

An Teilen ist nahezu alles im Fachhandel erhältlich, in verschiedensten Qualitäten und in allen Preislagen. Originales aus den frühen Baujahren ist freilich teuer. Auch beim Tuning darf man mit der Brieftasche nicht zimperlich sein: Ein kräftiger Typ 4-Motor kommt schnell auf 11000 Euro und mehr. Dazu gibt es: 944-Bremsen, 911er Fünfganggetriebe, Räder von 15 bis 19 Zoll - höre ich 20? - jede Menge Kohlefaserteile bis hin zum Top Chop. Ideal sind wegen ihrer Schräglenker-Hinterachse Automatik-Fahrgestelle (alternativ: Pendelachse umbauen), für Motortuning sollte man wegen der Abgasbestimmungen einen Käfer vor Oktober 1971 aussuchen - ansonsten müsste man eventuell einen Rahmentausch vornehmen. Kaum ein anderes Auto bietet mehr Möglichkeiten.

DIE TECHNIK

KAROSSERIE: Ganzstahl-Karosserie auf Zentralrohrrahmen mit angeschweißter Plattform, 5-sitzige Limousine mit 2 Türen, Kotflügel schraubbar, Länge 4080 mm, Breite 1585 mm, Höhe 1500 mm, Radstand 2420 mm, 870 kg Leergewicht (1303: 890 kg)

MOTOR: Luftgekühlter Vierzylinder-Boxer-Heckmotor, vierfach gelagerte Kurbelwelle, zentrale untenliegende Nockenwelle, Hubraum 1,2, 1,3 und 1,6 Liter, Leistung 34, 44 und 50 PS, Solex Vergaser (34 PS: 30 PICT, 44 PS: 31 PICT, 50 PS: 34 PICT), 4-Gang-Getriebe

FAHRWERK: Vorn Einzelradaufhängung an Federbeinen und Querlenkern, Stabi, Trommelbremse (50 PS: Scheibenbremse), Rollenlenkung (ab 75: Zahnstangenlenkung), hinten Schräglenker, Drehstäbe, Trommelbremse, Heckantrieb, Stahlfelgen 4Jx15 (ab72: 4,5Jx15), Reifen 155-15 (Diagonal: 5.60-15)

Der 1302 ist wie der 1200er ein Typ 11,
der 1303 heißt Typ 13

Der Unterschied: 02- und 03-Front

 

DIE PREISE 2016

Note

VW 1302
1,2/34 PS

VW 1302
1,3/44 PS

VW 1302 S
1,6/50 PS

VW 1302 LS
 Cabriolet

1

€ 13.300,-

€ 15.800,-

€ 16.000,-

€ 40.900,-

2

€ 8.200,-

€ 10.100,-

€ 10.300,-

€ 27.700,-

3

€ 4.400,-

€ 5.900,-

€ 6.100,-

€ 13.100,-

4

€ 1.800,-

€ 2.400,-

€ 2.400,-

€ 5.600,-

5

€ 700,-

€ 900,-

€ 900,-

€ 2.400,-

Quelle: Oldtimer Markt, Sonderheft “Oldtimer-Preise” 2016.

Vielen Dank an Lars Brand.

 

Definition der Zustandsnoten, siehe unten.

DIE MODELLE

AUGUST 1970: Der 1302 kommt als erster Käfer mit Federbeinvorderachse; neue Motoren: 1300er mit 44 PS und 1600er mit 50 PS (wahlweise auch 1200er mit 34 PS), der erste mit der Innenraumentlüftung in der C-Säule,

MODELL 1972: Heckfenster um 40 mm nach oben vergrößert, Motorhaube jetzt mit 4 Schlitzpaketen, 4-Speichen-Sicherheitslenkrad mit großem Pralltopf, 4,5Jx15 ET34 Felgen; 50 PS: Bremssättel vom Typ 3 mit 100% größerer Belagfläche, Tacho bis 160 km/h

MODELL 1973: 1303 mit 44 und 50 PS löst 1302 ab, gewölbte Frontscheibe, große Rücklichter („Elefantenfüße“), schaumgepolstertes Armaturenbrett mit Kippschaltern, Dreipunkt-Sitzbefestigung

JANUAR 1973: Sondermodell „Gelbschwarzer Renner“ (Auflage 3500 Stück), 38er Sportlenkrad, Sportsitze, geschlitztes Frontblech, 5,5Jx15 Räder mit 175/70er Bereifung

MODELL 1974: neue Vorderachse (entsprechend Golf), 4,5Jx15 ET41 Felgen; zusätzlich: „großer Sparkäfer“ (1303A) mit 1200er 34 PS; zwei Sondermodelle: „City-Käfer“ mit 44 PS, „1303 Big“ mit 50 PS.  Trockenluftfilter

MODELL 1975: vordere Blinker in der Stoßstange, Zahnstangenlenkung, gewölbtes hinteres Abschlussblech

Quelle: 7/2000 und 8/2002

Definition der Zustandsnoten

Zustandsnote 1
Makelloser Zustand.
Keine Mängel an Technik, Optik und Historie (Originalität). Fahrzeuge der absoluten Spitzenklasse. Unbenutztes Original (Museumsauto) oder mit Neuteilen komplett restauriertes Spitzenfahrzeug. Wie neu (oder besser*). Sehr selten!
Ein Fahrzeug, auf das man begeistert zugeht und bei dem man auch bei genauester Prüfung keine Mängel feststellen kann. Auf den heutigen Gebrauchtwagenmarkt bezogen würde es sich um einem Neuwagen (max. 1.000 km) handeln.

Zustandsnote 2
Guter Zustand.
Mängelfrei, aber mit leichten (!) Gebrauchsspuren. Original oder fachgerecht und aufwendig restauriert. Keine fehlenden oder zusätzlich montierten Teile (Ausnahme: Wenn es die StVZO verlangt).
Ein Fahrzeug, auf das man begeistert zugeht, aber an dem man bei näherer Betrachtung leichte Gebrauchsspuren findet. Auf den heutigen Gebrauchtwagenmarkt bezogen würde es einem 2 bis 3 Jahre alten, gepflegten Fahrzeug mit max. 40.000 km Laufleistung entsprechen.

Zustandsnote 3
Gebrauchter Zustand.
Normale Spuren der Jahre. Kleinere Mängel, aber voll fahrbereit.
Keine Durchrostungen. Keine sofortigen Arbeiten notwendig. Nicht schön, aber ge- brauchsfertig.
Ein Fahrzeug, das von weitem zwar mängelfrei, aber dennoch gebraucht aussieht. Bei näherer Betrachtung erkennt man unschwer Gebrauchsspuren und diverse kleinere Mängel. Auf den heutigen Gebrauchtwagenmarkt bezogen würde es dem 4 bis 8 Jahre alten, normal gepflegten Fahrzeug mit einer Leistung von 50.000-100.000 km entsprechen.

Zustandsnote 4
Verbrauchter Zustand.
Nur bedingt fahrbereit. Sofortige Arbeiten notwendig. Leichtere bis mittlere Durchrostungen. Einige kleinere Teile fehlen oder sind defekt. Teilrestauriert. Leicht zu reparieren (bzw. restaurieren).
Ein Fahrzeug, bei dem man die Mängel schon aus der Entfernung erkennt. Eine oberflächliche Inaugenscheinnahme zeigt bereits notwendige Reparaturen. Im heutigen Gebrauchtwagenmarkt entspricht dieses Fahrzeug einem Alter zwischen 7 und 10 Jahren bei schlechter Pflege und einer Laufleistung von 110.000-160.000 km.

Zustandsnote 5
Restaurationsbedürftiger Zustand.
Nicht fahrbereit. Schlecht restauriert bzw. teil- oder komplett zerlegt. Größere Investitionen nötig, aber noch restaurierbar. Fehlende Teile.
Ein Fahrzeug, das aufgrund seiner optischen Erscheinung klar als Restaurationsobjekt eingestuft wird. Im heutigen Gebrauchtwagenmarkt entspräche der Zustand einem 8-15 Jahre alten, schlecht gepflegten Wagen mit mind. 150.000 km Laufleistung, bei dem gerade der anstehende Prüftermin nach §29 das "Aus" bedeutet, bzw. technische Defekte die bisherige Benutzung aus wirtschaftlicher Sicht beenden.

* Unter dem Aspekt, dass viele Fahrzeugmarken (hier sind besonders Engländer und Italiener zu nennen) eine Serienqualität hatten, die nach heutigen Maßstäben eher dem Zustand 1- entspräche.

Quelle: Classic Data

www.vw1302.de